
Die Montagsfrage ist ein Dialog, der allerlei Themen bezüglich diverser Aspekte des Literaturbetriebs umfasst. Die Frage wird wöchentlich gestellt von Antonia bei Lauter&Leise.
Heute geht es ums multilinguale Lesen und das Verhältnis zwischen fremdsprachiger und übersetzter Literatur. Ebenso erläutere ich meine ungewöhnliche Perspektive auf den Begriff „Fremdsprache“.
Die Montagsfrage lautet: Wie hoch ist euer Leseanteil in einer Fremdsprache und warum lest ihr nicht die Übersetzung?
Meine wichtigste persönliche Meinung zum Thema und erste Antwort der Frage lautet ganz klar: man sollte in so vielen Sprachen lesen wie möglich. Gerade Englisch ist eine so weit verbreitete Sprache, dass es mittlerweile fast unumgehbar ist, es auf einer kommunikativen Ebene zu können. Da bietet es sich doch an, die Originalsprache zur Hand zu nehmen.
In mehreren Sprachen zu denken, lesen und zu sprechen stimuliert das Gehirn, bereichert den Gesichtskreis und bietet Abwechslung im Alltag. Je mehr Sprachen man lernt und spricht, desto abwechslungsreicher wird auch die Perspektive auf die eigenen Gewohnheiten und den üblichen Wortschatz. Man lernt sich dadurch auch selbst besser kennen. Ich lese üblicherweise entweder im Wechsel oder Parallel auf Deutsch und Englisch, um mich regelmäßig in beiden Sprachräumen zu bewegen.
Es ist allerdings auch wichtig, die eigene Muttersprache zu pflegen.
Das ist in meinem Fall übrigens nicht Deutsch, denn ich bin in Estland geboren und aufgewachsen. Dementsprechend lese ich an und zu auch ein Buch auf Estnisch, damit mir auch da die Sprache nicht verloren geht. Literatur beinhaltet nun mal etwas andere Lexik und Stilistik als Alltagssprache, und ich genieße es auch sehr, ab und zu estnische Klassiker und Neuerscheinungen zu lesen.
Allerdings ist meine Perspektive auch hier im Blog auf Weltliteratur gerichtet, was mich zum nächsten Punkt bringt: es ist schlichtweg nicht möglich, jedes Buch in Originalsprache zu lesen. Mein Spanisch und Russisch sind bei Weitem nicht so fortgeschritten, dass ich einen Marquez oder Dostojewski in die Hand nehmen würde. Da ginge zu viel vom Inhalt verloren, da ich sprachlich nicht annähernd auf der Höhe des Autors bin – weder vom eigenen Wortgebrauch, noch der Fähigkeit her, die Ausdrücke in ihrer vollen Finesse verstehen und nachvollziehen zu können.
Und hier kommt auch der finale Aspekt meiner Antwort: man muss sich vor Augen führen, wie viel durch das Lesen einer Übersetzung verloren gehen könnte. Der primäre Wert eines Unterhaltungsromans besteht nicht in stilistischen Besonderheiten und sprachlichen Feinheiten, sondern den Figurendynamiken, den Ereignissen und seiner Fähigkeit, den Leser zu greifen und mitzunehmen. Daher mache ich mir bei vielen Büchern keine Gedanken, in welcher Sprache ich sie lese – zumal ich zurzeit Rezensionsexemplare auf Deutsch und nicht auf Englisch erhalte. Klassiker lese ich allerdings am liebsten auf Englisch, es sei denn natürlich, sie sind im Original deutschsprachig.
Dementsprechend kann ich den Anteil fremdsprachlicher Literatur nicht so klar ausmachen, da ich sowohl Deutsch als auch Estnisch als Muttersprache oder äquivalent dazu verstehe. Der Anteil Englischsprachiger Bücher liegt zurzeit noch bei ungefähr 70% – allerdings verringert sich dieser von Monat zu Monat.
Wie sieht das bei Dir aus? In welchen Sprachen liest Du, bevorzugst du die Originalsprache oder eine muttersprachliche Übersetzung?
Auf Deine Resonanz in den Kommentaren freue ich mich sehr!
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